Mit der Gruppenreise von Istanbul nach Taschkent – Teil 2

Im zweiten Teil des Reiseberichts von Wolfgang Beisswenger geht es von Goris in Armenien nach bis zum Reiseziel nach Taschkent.

Haben sie den ersten Teil der Gruppenreise entlang der Seidenstrasse verpasst? Hier berichtet unser Reiseberater über den ersten Teil des Abenteuers von Istanbul nach Armenien.

Tag 13 GORIS

Stonehenge in Armenien? Die Armenier haben Steine formiert und Löcher in diese gebohrt, um dann die Sterne zu beobachten. Klar, dass diese touristische Attraktion mit einem Kiosk und Souvenirshop ausgestattet war. Die Gäste kauften hier um die 15 T-Shirts und tatsächlich – außer unserer Gruppe, waren noch ein paar wenige andere Reisende da.

Am Abend erwartet uns dann ein kleines, feines Hotel mitten in der Stadt mit einem prima Abendessen und einem Pressetermin mit einer armenischen Journalistin.

Tag 14 TABRIZ

Heute stand der Grenzwechsel von Armenien in den Iran an und die meisten von uns hatten gehörig Respekt vor diesem Grenzübergang.

Zusammengefasst war es langweilig – mal abgesehen für Wolfgang und AliJan, unseren an der Grenze hinzu geeilten Landesguide für den Iran. Die Armenier wollten schon wieder Geld für die Ausreise – wir bezahlten widerwillig, um endlich weiter zu kommen. Die Carnets wurden mit einer Überstunde der iranischen Grenzer bearbeitet, die Prüfung der Ladung war dem Grenzer viel zu anstrengend, so dass er lediglich scherzte „where are the weapons“… und schon waren wir auf dem Weg nach Tabriz – und das Ganze in nur fünf Stunden – was für ein Rekord.

Tag 15 BEHESTAN CASTLE

Tabriz war ein Verkehrschaos ohne gleichen, nur gut das wir durch Istanbul und Georgien bestens auf diese Art von Chaos vorbereitet waren. Aber alles ganz friedlich, nette Menschen die winken, wenn sie einen von der Straße abdrängeln. Mopedfahrer die sich durch das offene Fenster mit einem unterhalten, bevor sie dir eine Beule reinfahren  und immer interessiert an uns und unserer Reise sind. Am frühen Morgen machten wir einen kurzen Ausflug mit dem Taxi zum Geld wechseln auf den Basar von Tabriz bei äußerst abenteuerlichen Gestalten. Kurz vor unserem Tagesziel wartete mal wieder die freundliche Polizei am Straßenrand und nach einem spektakulären Überholmanöver mit Blaulicht und Megaphon Durchsage wurden wir – wie schon des öfteren, am Straßenrand gestoppt. Nach freundlicher Kontrolle ging es dann mit Polizeibegleitung weiter ins Dorf.  Wir waren die erste internationale Touristengruppe am Behestan Castle und übernachteten in einem öffentlichen Gebäude direkt am Castle.

Die Bewirtung und die Schlafgelegenheit in unserem ersten „Camp“ waren einfach,  aber ausgesprochen gut. Wir waren so spät am Behestan Castle, dass uns die iranische Polizei dieses Gebäude als Schlafplatz zur Verfügung stellte. Auch für den regionalen TV-Termin, fast schon täglicher Programmpunkt, der uns im Iran genauso wie die Polizei, unsere Freunde vom Geheimdienst „we are looking only for you safety“  auf Schritt und Tritt begleitete. Nie unangenehm oder aufdringlich, eher amüsant…und bald auch als Wettbewerb: wer erkennt den Spion…

Tag 16 KATALEH KHOUR CAVE + HAMEDAN

Nachdem die herzliche Verabschiedung am Morgen im Behestan Castle zwei Stunden gedauert hatte, war die Fahrt über die Kataleh Khour Cave nach Hamedan recht unspektakulär.

Dafür waren die Ladekünste der Iraner auf ihren Fahrzeugen umso spektakulärer und spätestens seit heute wurde uns klar, egal wo unsere Gruppe auftaucht, im Iran gibt es Menschenaufläufe. Insbesondere die iranischen Frauen waren der neugierige Teil und immer überaus gastfreundlich. Ein Picknick vor der Moschee des Dorfes lockte dann ganze Familien an. Die Kinder und Jugendlichen besetzten die Motorräder, die Frauen teilten Kekse und ihr Mittagessen mit uns – und wenn es dann zu locker wurde, kamen doch ein paar Männer und sorgten für den nötigen Abstand. Nach kurzer Zeit erschienen dann meist die örtliche Presse und der Bürgermeister für die entsprechenden Fotos. Und mit großem Hallo schafften wir es, dann meist mit Verspätung die Mittagspause zu beenden. Was für ein Gegensatz zu den uns täglich in unseren Medien vermittelten Weltbild.

Tag 17 ALAMUT CASTLE

Die Anfahrt zum Alamut Castle war gut zu bewältigen und ermöglichte sogar noch den Besuch eines Bergsees (Ewan Lake) zum ausgiebigen Picknick.

Das Camp am Alamut Castle im „Golestan Hotel“ – was sich hier so alles Hotel nennen darf – kostete ein Schaf das Leben. Der Lamb Kebab vom Holzfeuer und anschließend eine fantastische Nacht unter freiem Himmel auf den „Teppich-Sitz-Inseln“ wird den meisten von uns noch lange in Erinnerung bleiben. Ein paar Local`s spielten auf seltsamen Instrumenten seltsame Melodien.

Das von unseren Gastgebern zubereitete Schaf schmeckte allen ausgezeichnet, lediglich das Trinken war ein Problem – der dritte Tag ohne Bier und Wein, ob das wohl im gesamten Iran so bleibt? Es blieb so und was für ein Wunder, alle haben den fehlenden Alkohol dann doch überlebt.

Tag 18 MOUNT DAMAVAND

Nach ausgiebigen Diskussionen um die Strecke und aktueller Verkehrsinfo live von den Einheimischen wagten wir doch die Fahrt über eine unbekannte Verbindung von Alamut zu Kaspischen Meer. Wir wurden belohnt mit der wohl fantastischsten Gebirgslandschaft der gesamten Reise. Der vermeintliche Offroad-Teil war übrigens perfekt geteert (keine sechs Monate alt), dafür war der Onroad- Teil eine Großbaustelle, die uns noch in zeitliche Bedrängnis bringen sollte.

Aber erst mal Serpentinen in Hülle und Fülle, ein Picknick in 3.217 m Höhe und herzliche Begegnungen mit den Local`s.

Die Fahrt am Kaspischen Meer entlang hätten wir uns auch sparen können, vom Meer war so gut wie nichts zu sehen und das Mittagessen mit Alijans Familie im „einzigen“ Restaurant am Kaspischen Meer kostete uns nach der Großbaustelle weitere zwei Stunden Zeit. Zeitgefühl, Entfernungsgefühl und so manch andere Gefühle passten nicht immer ganz zu unserem „europäischen Lebensgefühl“: „we have the time, you have the watch“. Um Zeit reinzuholen, entschieden wir uns dann kurzfristig keinen weiteren Ausflug in die Berge zu machen, sondern auf den Hauptstraßen zu bleiben. Diese Entscheidung kostete uns dann endgültig jede Möglichkeit, noch heute den rauchenden Mount Damavand zu sehen. Die letzten 100 km bis zu unserem Hotel unterhalb des Gipfels verbrachten wir im STAU und lernten: eine Fahrspur machen die Iraner locker zur 6-spurigen Autobahn…und wenn es dann dunkel wird, dann wird das Ganze völlig unübersichtlich und gefährlich.

So kamen wir ziemlich erschöpft im Lotus Hotel an – zum Schlafen war es allemal gut und am nächsten Morgen wollten wir endlich den 5.700 m hohen qualmenden Gipfel des Mount Damavand in Augenschein nehmen.

Tag 19 QOM

Nach einem kurzen Blick zum rauchenden Damavand fuhren wir von Aabgarn nach Qom. Qom liegt 140 km südlich von Teheran am Rande der Dasht-e Lut Wüste und ist wichtigster Pilgerort Irans nach Mashhad.

Hier befindet sich auch die zentrale Ausbildungsstätte für die schiitische Geistlichkeit, an der auch Imam Khomeyni studierte und lehrte. An diesem Ort wird die schiitische Geistlichkeit des gesamten Irans ausgebildet. Von hier aus rief Khomeyni am 4.Juni 1963 in seiner berühmten Rede zum Sturz des Schah auf. In der Zeit danach entwickelte sich unter seiner geistigen Führung die Idee der Islamischen Republik Iran. Diesen Lehrraum Khomeynis konnten wir besuchen und gehören damit zu dem kleinen Teil der christlichen Welt, die diese Möglichkeit hatte. Vor dem Lehrraum saß Ayatollah Khatami, Tehran’s Congragation Imam, der zweite religiöse Mann im Staat Iran.

Die Guides wollten am Hotel die Fahrzeuge etwas auf Vordermann bringen – erst freundlich unterstütz vom Personal – als diese dann aber merkten, dass es doch einiges an Wasser kostet, musste der Dreck draufbleiben. Wertvolles Trinkwasser sollte am Rande der Wüste nicht verschwendet werden. So mussten wir nach zweieinhalb Fahrzeugen unsere Waschaktion abbrechen. Abgebrochen haben wir bei der Parkerei in der engen Tiefgarage auch den Mamor von einem Stützpfosten, was aber bei unseren Gastgebern nur allgemeine Heiterkeit auslöste und von vielen Hotelangestellten besichtigt wurde. Ein kleines Bakschisch führte dazu, dass alle Spuren des “Abbruchs” beseitigt wurden…

Tag 20 ISFAHAN

Weiter gings zügig nach Isfahan. Die Tageszeit sollte für die Stadtbesichtigung zur Verfügung stehen. Am Nachmittag hatten wir dann ausführlich Zeit für Sightseeing wie den Chehel Sotun Palast.

Noch einmal wurden die Fahrzeuge gereinigt – am Waschplatz stand ein sehr schöner VW Käfer Bj 69 mit 67000 Originalkilometer zum Verkauf – ich glaube wir müssen nochmals hin und diesen dann nach Aalen zurückfahren. Zusammen mit Polizei, Militär, guten Tee und 20 Iranern waren alle Fahrzeuge schnell auf Hochglanz. Waschanlagen sind immer ein Erlebnis.

Es zeichneten sich aber auch erste Probleme für unsere polnischen Expeditionsteilnehmer ab, offensichtlich sollten sie kein Visa für Turkmenistan erhalten. Erneut Arbeit für unser „Backoffice“ Wolfgang, dem auch nichts erspart blieb. Der Schwabe spart nie an Arbeit. Schaffa, schaffa, Häusle baua und no nach die Visas schaua.

Tag 21 SHIRAZ

Auf dem Weg nach Shiraz besichtigten wir Persepolis. Wie immer waren die Fahrzeuge dicht umlagert, unsere „Freunde“ machten wieder ein paar Fotos und die Guides auf dem Parkplatz hatten viele Fragen zur Expedition zu beantworten und viele neugierige Iraner um sich.

Wir fuhren mit dem gesamten Tross durch eine Versammlung „Gläubiger“ ohne auch nur im geringsten Probleme zu bekommen – selbst hier überwog die Neugier der verhüllten Damen.

Telefon und Internet funktionierten mehr schlecht als recht. Facebook oder Twitter waren schlichtweg nicht zugänglich. Die Inreachs, unser Rettungs und Trekkingsystem als Kommunikationsmöglichkeit über Satellit waren hier sehr hilfreich.

Tag 22 BAVANAT

Eine kurze Tagesetappe und entsprechend Zeit veranlassten uns wieder eine Offroad-Etappe in unsere Expedition einzubauen. Bavanat sollte quer durchs Gebirge erreicht werden. Mittlerweile waren wir mitten in der Dasht e`Lut, erreichten Bavant aber problemlos und machten Halt in einem Nomadendorf kurz vor der Stadt in dem die Zweitfrau unseres Gastgebers vom Nachtcamp lebt. Ein interessanter Einblick in die Welt der Nomaden – noch wenig vermarktet – erste touristische Versuche.

Unser „Camp“ in der Oase traumhaft, tolle Gastgeber, tolle Schlafhütten, tolles Essen und wie üblich die Begrüßung durch den Landrat und die regionale Presse. Unser Gastgeber hatte für alles was er macht einen eigenen Begriff “Magic”.

Tag 23 YAZD

Die Dasht e`Lut zeigte sich für uns von ihrer kühlen Seite, wenn man 37 Grad als kühl bezeichnen kann, aber keine Spur von der heißesten Wüste der Erde, dafür Spuren von Papier. Auf einem LKW aus China auf dem Weg irgendwo nach Europa. Den wir nur trafen, da wir uns an diesem Tag kurz verfahren haben – auf 13.900 Kilometer haben wir uns insgesamt um weniger als 90 km verfahren – eine Rekordleistung – auf Wegen die vorher keiner kannte und die oft ohne jegliches Schild daherkamen.

Zwölf Kilometer außerhalb der Stadt Yazd liegen zwei große zoroastrische Bestattungstürme, die Türme des Schweigens. Seit der Verordnung aus dem Jahre 1970 dürfen die Zoroastrier aus hygienischen Gründen ihre Leichen nicht mehr nach traditionellem Brauch auf den Türmen des Schweigens aussetzen, damit die Geier das Fleisch von den Knochen der Toten nagen können.

Deshalb sind die beiden Dakhmehs, wie die Türme in Yazd genannt werden, heute nicht mehr in Benutzung, ebenso wie die Gebäude unter ihren Füßen, in denen die Toten für die Zeremonie hergerichtet wurden, bevor man sie in kleinen Felsenhöhlen beisetzte.

Da die beiden Türme seit ihrer Entstehung immer instand gehalten und renoviert wurden, ist ihr tatsächliches Alter nicht mehr feststellbar.

Tag 24 RAVAR

Die Iraner hielten auch in Ravar eine Überraschung für uns bereit. In dem kleinen Dörfchen Tarz, kurz vor Ravar, sollen wir als „Camp“ in einer Moschee übernachten. Das ganze Dorf war ständig um uns herum und die Frauen des Dorfes zauberten uns ein Dinner, das wir im Freien unter Jahrtausende alten Zypressen genießen dürfen. Ein sensationelles Essen.

Der Morgen bekam allerdings eine eigene Dynamik, als der Immam um 04:30 Uhr zum Gebet erscheint und einige Schlafgäste nur mit schwarzen Unterhosen bekleidet antrifft. Schnell ist die Moschee dann aufgeräumt.

Am nächsten Morgen sind wir in der Dorfschule zum „breakfast“ eingeladen, auch hier sorgen die Frauen des Dorfes wieder bestens für uns, die ein oder andere nimmt auch mal probeweise Platz auf den Bikes. Natürlich lässt sich auch der Landrat wieder sehen und führt „ernste“ Gespräche.

Tag 25 FERDOWS

Nun ja, Ferdows und seine heißen Quellen waren nicht so wirklich prickelnd und das Hotel hatte außer einer Hochzeit auch nicht wirklich viel zu bieten. Das Abendessen im besten Lokal der Stadt, eine geflieste Halle mit Neonlichtern. Atmosphäre Schlachthof. Überhaupt die Essenkultur im Iran: traditionell bedeutet: man sitzt auf Podesten, im Schneidersitz, sofern man diesen beherrscht. In der Mitte wird ein Plastikdecke ausgebreitet. Dann kommen Berge an Plastikgefässen mit allerlei Essbarem und nicht Essbarem und als Hauptgericht gibt es dann meist die sensationelle Auswahl: Chicken Kebab, Beef Kebab, Lamb Kembap und Minze Kebab. Dazu immer ein Berg Reis mit Cranberries. Und wenn man dann fertig ist, wird die Plastikfolie mit allem was drauf liegen bleibt zusammengerafft und in den Müll gestopft. Dazu gibt’s alkoholfreies Bier – man kann auswählen Classic, Pfirsich, Exotik, Zitrone, Waldbeere. Alternative Fanta, Cola und Ayran. Wohl bekommts. Aber ein Erlebnis wars immer. Und gut auch. Klasse, die traditionelle Hochzeit im Hotel, die Männer allesamt im Erdgeschoss bei iranischem Liedgut, die Frauen ein Stockwerk höher mit westlichem Pop, Geschrei und Gedöns!

Tag 26 MASHHAD

Mittlerweile ist klar, trotz monatelangem Bemühen in Warschau, Frankfurt, Berlin, Teheran –  die Polen bekommen keine Visa für Turkmenistan und müssen uns heute verlassen, um Turkmenistan mit dem Flieger zu umgehen. Also Flug nach Istanbul, dann nach Taschkent und schließlich nach Urgench wo sie in Khiva wieder zu uns stoßen.

Während des Sightseeings in Mashhad bereiten die Guides wieder einmal die Fahrzeuge auf die besonderen Gegebenheiten in Turkmenistan vor, die haben was gegen dreckige Autos und verhängen empfindliche Geldstrafen!

Gewohntes Bild, ein Haufen Iraner, ein Tee und fertig sind die Fahrzeuge…

Tag 27 ASHGABAT

Auf dem Weg zur Grenze leider erst mal 100 km in die falsche Richtung, was wir zwar alle gemerkt, aber nicht „angemault“ haben. Routenänderungen, auch plötzliche, waren ja normal. Und außerdem sind richtige Landkarten im Iran nicht zu bekommen. So kamen wir erst nach 13 Uhr an den Grenzposten Bajgjran und gegen 16 Uhr an den Grenzposten der Turkmenen. Gegen 19 Uhr waren wir dann endlich drin und auf dem Weg nach Ashgabat.

Alijan wurde verabschiedet um bald darauf Rustan mit seinem Team begrüßen zu dürfen (3 Mann mit 2 Offroad Fahrzeugen). Ashgabat selbst präsentierte sich gespenstisch, weder Fahrzeuge noch Menschen waren auf den Straßen zu sehen. Sechs Spuren und wir die einzigen Fahrzeuge. Ein paar wenige versprengte Gestalten – alle Gebäude in makellosem, weißen Mamor – was für ein Gegensatz zum lebendigen, freundlichen Iran. Rustan fuhr mit Wolfgang nach den Motorrädern und erklärte bei jeder Gelegenheit was verboten ist: aufstehen in den Fußrasten für Motorradfahrer. Im Hotel angekommen wurden unsere Autos geparkt und dann ohne Rückfrage mit einem Vorhängeschloss der Parkplatz gesichert – wir könnten ja auf die Idee kommen unkontrolliert rumzufahren. Die Stadtbesichtigung verschoben wir auf den nächsten Morgen.

Disney World ohne Besucher, eine Stadt ohne Gesicht…

Tag 28 GASKRATER

Die Stadtbesichtigung von Ashgabat konnte den Eindruck vom Vorabend nicht ändern, lediglich beim Aufstocken der Reisevorräte wie Kekse, Wasser (Benzin ist hier billiger als Wasser), Zigaretten – im Basar war etwas mehr Leben. Und einen bemerkenswerten Vorteil in Ashgabat gab es doch, es gab wieder Alkohol in allen nur erdenklichen Variationen. Ashgabat eine Stadt mit angeblich über einer Million Einwohner – wo die sind, wissen wir bis heute nicht. Offizielle Erklärung: jeweils ein Drittel befindet sich in den Häusern (da zu warm), beim Pferderennen (das ist Kult in Turkmenistan) und im Bazaar (allerdings haben wir dort außer den paar Verkäufern und uns nur eine Handvoll gesehen).

Der Weg zum Gaskrater war sandig, zu sandig für die Bikes, mal abgesehen von einem Teilnehmer, der sich bis zum Gaskrater durchkämpfte. Einen Doublecab bekamen wir mit Buddeln und Anschieben wieder flott, aber beim Singlecab war ein russischer Kamaz Truck mit 6×6 Power gefragt.

Am Gaskrater angekommen wurden wir für die Strapazen belohnt, Camp direkt am Krater, Grill Dinner, Bier und Schlafplätze mit Milliarden von Sternen. Dieser russische Industrieunfall ist wohl das einzig echte Highlight in Turkmenistan. Rustan sieht das zwar deutlich optimistischer durch seine rosarote Sonnenbrille, absetzen sollte er sie nicht und sich den Glauben bewahren.

Tag 29 KHIVA

Und wieder stand ein Grenzübergang bevor. Raus aus Turkmenistan. Dauer wie immer, Abläufe völlig chaotisch – allerdings die Grenzer der Usbeken waren recht zugänglich und trotz unserer „Ungeduld“ immer locker und gut drauf. Das sollte uns noch helfen – wieder sechs Stunden.

Gegen Abend erreichten wir Khiva und die, um Turkmenistan herum geflogenen, Polen stießen zu uns. Also Essen gehen in der Altstadt, die zwar interessant aber sonst wirklich nur alt aussah.

Die Stadtbesichtigung fand dann am nächsten Morgen mit unserem neuen, sehr jungen Landesguide Dior statt. Der hatte uns Sprit und Diesel mit Lieferung ans Hotel besorgt. 5 und 10 Liter Wasserflaschen mit Benzin füllen im Hinterhof, zurück ans Hotel und Tanken. Der Diesel „Lieferant“ war dann schon zutraulicher und lieferte ohne Begleitung direkt ans Hotel. Kurze Zeit später waren alle Fahrzeuge randvoll und es konnte weitergehen nach Buchara. Kosten der Transaktion 1.200.000 Sum. Die Geldpakete, die wir von dem usbekischen „Spielgeld“ mitführen mussten wurden, um den Transport im Koffer zu vermeiden, immer auf mehrere Personen aufgeteilt.


Tag 30 Buchara

„Pothole Slalom“ und „Speditionschaos“ waren zumindest für die Guides die Ereignisse des Tages.

Aber damit nicht genug, wir waren rund 120 km weit gekommen, da beorderte uns die Spedition mit Singlecab und einem Doublecab mit zwei Bikes zurück an die usbekische Grenze. Es mussten weitere Formulare her, sonst sollte eine Übergabe an die Spedition in Taschkent nicht möglich sein.

Also mit drei Doublecab und sechs Bikes weiter nach Buchara, der Rest zurück an die Grenze. Kurze Anmeldung beim Grenzposten und dann waren auf einen Schlag alle Grenzer vom Vortag da, um pragmatisch zu helfen. 30 Minuten Gerede, fünf Minuten Papierkram – völlig unbürokratisch, schon waren wir unterwegs, um an das Expeditionsteam bis Buchara wieder anzuschließen. Ein Stück Autobahn erlaubte hohes Tempo – zum Glück war der Polizeiposten mit seinem Gitter gut zu Fuß – mit 140 km/h am Kontrollposten vorbeigeflogen – ich denke beide Beteiligten haben lange was zu erzählen. Dann Tanken und Tee abenteuerlich und immer schlechtere Straßen. Ein „Pothole“ haben wir dann in der Dunkelheit doch übersehen, was der Doublecab mit einem Reifenplatzer quittierte, dabei waren wir durchaus in Gesellschaft weiterer fünf Reifenwechsler – alle nett verteilt um das eine Schlagloch. Ankunft in Buchara dann gegen 1 Uhr nachts, kühles Bier und ab ins Bett und ausschlafen bis 8 Uhr.

Tag 31 SAMARKAND

In Samarkand stand die Besichtigung einer alten Papierfabrik an, die sich als Museum entpuppte, aber dennoch alle Wissenshungrigen befriedigte. Am Abend dann ein Essen in privater Atmosphäre das schon wieder deutlich europäischer auf uns wirkte und schmeckte. Unterwegs wurde wie gewohnt nach einer Tankstelle gesucht. Für die Bikes gab es regulär Benzin an einer Tankstelle, für die Autos der Diesel Fehlanzeige. Eine kurze „Teepause“ sorgte dann auch hier für freundliche Gesichter, denn außer Tee konnten wir auch 250 Liter Diesel kaufen – gut, dass wir mal gefragt haben. Fotos von der Aktion sollten wir aber keine machen, der Verkauf von Diesel von privat ist illegal.

Die Stadtbesichtigung wurde auf Grund der kurzen Fahrstrecke nach Taschkent auf den nächsten Morgen verschoben. Interessant der Registan (Sandplatz), der als nobelster Platz der Welt bezeichnet wird.

Tag 32 TASCHKENT

Heute ging es am letzten „Fahrtag“ von Samarkand nach Taschkent, insgesamt 226 km. Aufgrund der kurzen Fahrstrecke hatten wir morgens Zeit, uns Samarkand anzusehen. Der Registan (wörtlich übersetzt: Sandplatz) ist das bekannteste Symbol Usbekistans und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Er ist auf drei seiner vier Seiten von gotischen Kathedralen umgeben.

Waren wir nicht gerade erst weggefahren? Mit Taschkent erreichen wir den Endpunkt der Ersten Etappe der Silk Road Reise – meine Güte, was haben wir alles erlebt!

Exakt um 16:33 Uhr kamen wir im Hotel Rohat in Taschkent an, ohne größere Unannehmlichkeiten, und das nach 33 Tagen. Leider gab es 300 Meter vor dem Hotel noch einen ganz kleinen Unfall – eines unserer Motorräder fuhr auf einen unserer Amarok auf, der eine Vollbremsung im Stadtverkehr durchführen musste. Die Usbeken fahren wie die Geisteskranken und der Amarok PG 450 hat nun doch noch einen Einschlag in der Heckklappe, dabei war Wolfgang doch so stolz darauf, dass er es als einziger bis hierher geschafft hatte ohne Blessuren.

Unglaubliche 33 Tage liegen hinter uns – einmalige Eindrücke, großartige Landschaften, tolle menschliche Kontakte. Alle Teilnehmer werden viel Zeit benötigen, um dies alles zu verarbeiten. Glücklich lagen wir uns vor dem Hotel in den Armen.

Für mehr Infos können Sie gerne auf meine Erfahrungen zurückgreifen und sich bei mir melden.

Hier geht es zum ersten Teil des Erfahrungsberichts über die Gruppenreise von Istanbul bis Taschkent.

 

Wolfgang Beisswenger

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