Gruppenreise von Istanbul nach Taschkent – Teil 1

Es ist nicht jedem Reisenden vergönnt, die Seidenstraße komplett zu bereisen – unser Reiseberater Wolfgang Beisswenger ist in den Genuss gekommen und berichtet hier in zwei Teilen von seiner abenteuerlichen Gruppenreise. In ersten Teil geht es von Istanbul bis nach Boris in Armenien. 

Ankunft der Reiseteilnehmer

Da unsere Reisegäste aus verschiedenen Ländern Europas anreisen, ist heute der große Transfertag. Alle Reisegäste werden direkt am Flughafen empfangen und dann ins Hotel gefahren. Nach und nach vervollständigte sich die Gruppe, teilweise alte Bekannte, die schon auf anderen Touren dabei waren, teilweise neue Gesichter, die sich dann die nächsten Tage problemlos in die Gruppe integrierten. Am Abend fuhren wir zum Essen in die Stadt, die Türkei hatte Wahlen und es gab strikten Alkoholverbot. Wir wurden in den 4. Stock des Restaurants verfrachtet, wo ganz sicher kein Einheimischer unser verbotenes Treiben sehen konnte – wie unser Guide sagt: „Türkische Lösung“.

Tag 1 ISTANBUL

Sightseeing Tour durch Istanbul mit Anfahrt im Mega Stau und einer ersten Vorahnung was wohl im Konvoi mit 13 Fahrzeugen auf uns zukommen wird. Am Abend offizieller Start der Reise auf einer Segelyacht im Bosporus. Es gab feinste Speisen, gute Weine und eine traumhafte Fahrt unter den Bosporusbrücken von Istanbul. Die Anfahrt mit dem Transferbus war allerdings auf Grund des Staus eine einzige Katastrophe: 30 Kilometer durch die Stadt in mehr als zwei Stunden.

Tag 2 SAFRANBOLU

Um sieben Uhr morgens standen alle 19 Teilnehmer bereit, um die erste Tagesetappe von Istanbul nach Safranbolu anzugehen – der berühmtesten Stadt der Türkei an der Seidenstraße, die einst Istanbul mit Waren aus China versorgte.

Die Fahrt ging raus aus Istanbul, zum Schwarzen Meer , wo wir wunderschöne Landschaften auf Nebenstraßen erlebten. Schnell kam Begeisterung auf in Bezug auf die kleinen Dörfer in der walddurchfluteten hügeligen Gegend. Teilweise wie im Schwarzwald, allerdings statt Kirchen Minarette und statt Sauerbraten Kebab. Erst gegen 20 Uhr trafen wir im Cinci Han Hotel, einer ehemaligen Karawanserei, in Safranbolu ein!  Eigentlich ein schönes Plätzchen, mitten im Dorf – allerdings mit einer Speisekarte wie bei McDonalds und nicht so nettem Personal.

Die erste Tagesetappe mit 470 km war absolviert und die Fahrt im Konvoi durch Istanbul war die erste „Reifeprüfung“

Tag 3 HATTUSAS

Heute ging unsere Etappe von Safranbolu nach Hattusa, durch gebirgige Waldlandschaften und über Schotterpisten der feinsten Art,  menschenleer und ohne störenden Verkehr. Unsere Gäste waren begeistert. Am Nachmittag im anatolischen Hochland besuchten wir einen  Melonenmarkt. Sofort war die Gruppe umringt und es wurden frische Melonen serviert. Gastfreundschaft ohne jeden Hintergedanken – da muss man sich erst mal dran gewöhnen.

Wir übernachteten in Hattusa, wo wir die Ausgrabungsstellen des Königreichs der Hethiter besuchten, die vor rund 3.500 Jahren hier ihre Hauptstadt hatten. Die Hethiter schlossen das erste Friedensabkommen der Menschheit mit Ramses II. im 13. Jahrhundert v.Chr. ab.

Gab es Löwen in der Türkei? Diese Frage beschäftigte uns mehrere Tage und außer dem Landesguide Ufuk (durch die Löwen erstmals „Unfug“ genannt) war niemand so richtig davon überzeugt. Später im Iran sollte sich diese These bestätigen; tatsächlich es gab Löwen – auch in der Türkei.

Tag 4 KAPPADOKIEN

Bereits um 8 Uhr starteten wir in Hattusa, um möglichst rechtzeitig in Kappadokien zu sein, um der großen Hitze zu entgehen. Am Mittag waren es dann doch 46 Grad – eine echte Herausforderung. Die Fahrt durch Anatolien und Kappadokien war landschaftlich absolut beeindruckend und auch das das Mittagessen in Avanos konnte alle begeistern. Tageshighlight war die Besichtigung der Felsenstädte in Paschbag. Zehntausende Menschen lebten dort einst und nach allem, was wir gesehen haben, können wir uns das jetzt vorstellen. Fantastische Bilder einer wohl einmaligen Landschaft – nicht nur der Türkei.

Tag 5 SUSEHRI

Eigentlich nur eine schnelle Verbindungsetappe von Kappadokien in den Osten der Türkei. Überraschend interessant, dann die letzte Strecke von Zara nach Susehri über eine schön ausgebaute, leere Passstraße, das abendliche Highlight. Die Übernachtung im Suvadi Hotel ein Erlebnis für die Bikes, die im Foyer „schlafen“ durften. Kurzer Stopp vor dem Hotel – die Schiebetür ging auf und acht BMW´s standen direkt vor der Rezeption. Da im Hotel am Abend noch eine Hochzeit stattfand und der Lärmpegel doch etwas hoch war, versorgte uns der Hotelier mit Wein, Bier und Raki – kostenlos. Wolfgang hatte ihn noch in die Stadt geschickt, um Rot- und Weißwein zu besorgen, da er dies normalerweise nicht da hat. Wieder ein Tag mit zwei „türkischen Lösungen“.

Tag 6 HOPA

Der Samstag war ein toller Tag – es war wirklich alle drin: wunderschöne Landschaften im Otlukbeli Gebirge, welches wir durchfuhren (und zwar rund 362 km), unbefestigte Waldwege, Schotterpisten, grandiose Abfahrten hin zum Schwarzen Meer, und auf dem letzten Autobahnteilstück von Yomra nach Kemal Pass ein kurze Regenguss! Auf dem Weg wurde als Highlight das Sumela Kloster besichtigt.

Tag 7 KUTAISSI

Das Grenzprozedere von der Türkei nach Georgien dauerte genau drei Stunden – völlig ok in diesem Teil der Welt. Unser türkischer Guide Ufuk wurde verabschiedet (einer der besten Guides, die wir jemals hatten) und die zierliche Maka (ein kleines Mädel, das Wolfgang im Auto neben sich kaum finden konnte) als Landesguide für Georgien begrüßt. Nach dem Grenzübertritt kamen wir in die georgische Stadt Batumi, 110.000 Einwohner, eine Stadt, die einen aus der Türkei kommenden Touristen einen relaxten Eindruck mit modernster Architektur machte. Wie wir jedoch bald merken mussten, sowohl in Bezug auf den Straßenzustand, wie auch die Gebäude, nicht repräsentativ für Georgien ist.
Nach einer kleinen Mittagspause in einem schönen Restaurant in Batumi machten wir uns gegen 14 Uhr auf die Reise. Zuerst fuhren wir am Schwarzen Meer entlang, bis wir Off – Road gingen. Wir fuhren über brutalste Schotterpisten mit sehr vielen großen und kleinen Löchern, mal steil, mal kurvenreich. Unsere Motorradfahrer wurden gefordert!

Tag 8 TBILISI

Wir übernachteten im Bagrati Hotel in Kutaisi. Kutaisi hat 500.000 Einwohner, und das georgische Parlament hat dort seinen Sitz. Schon um 7:30 ging es los, um die Bagrati Kathedrale zu besuchen. Diese wurde 1003 von Bagrat III. erbaut, 1692 aber von den Türken zerstört. Zurzeit wird sie restauriert, wobei moderne Technik sich mit der alten Architektur vereinen soll. Deshalb ist diese Kathedrale aus dem Weltkulturerbe der UNESCO 2010 gestrichen worden. Wie so vieles sicherlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Danach fuhren wir zum neun km entfernten Klosterkomplex Gelati. 1106 wurde dieses Kloster von King David gegründet. Wir konnten sehr gut erhaltene Fresken ansehen. Im Anschluss fuhren wir weiter in Richtung Tbilisi. Die Fahrten auf den Straßen Georgiens sind abenteuerlich, denn die Tiere haben immer Vorfahrt. Game Drives mit Haustierbeteiligung: Hunde, Katzen, Schweine, Gänse, Esel, Kühe, Pferde – alles reichlich und hinter jeder Ecke. Da heißt es immer bremsbereit sein.

Tag 9 TELAWI

Heute war ein toller Tag mit vielen Höhepunkten. Zuerst einmal machten wir eine Stadtbesichtigung von Tbilisi. Ein Viertel der Bevölkerung von Georgien lebt in Tbilisi, also rund 1,4 Mio. Durch die Altstadt führte früher der Weg von Asien nach Europa (Seidenstraße). Hier ist auch die älteste Kirche der Stadt: Antschischati Kirche aus dem 6.Jh.) Von der Metekhi Kirche hat man den besten Ausblick auf die Stadt. König Vakhtang Gorgasali gründete Tbilisi im 5. Jh.

Gegen Mittag verließen wir unser Hotel in Tbilisi und fuhren über Nebenstraßen nach Telavi.
Von dort zur Burg „Gremi“, die auf dem Wege nach Kvareli liegt, wo wir ein spezielles Mittagessen zu uns nehmen wollten. Erst gegen 14 Uhr kamen wir in Kvareli an und erlebten ein Mittagessen in einer heimischen Familie. Top Qualität – alles aus eigener Erzeugung, herzlichst serviert.

Nach diesem Superereignis fuhren wir zurück in unser Hotel in Telavi, Hotel Old Telavi. Nebenbei bemerkt: die Zimmer hatten ein sehr schönes Bad mit einer Erlebnisdusche! Zehn verschiedene Einstellungen, drei Duschköpfe, dazu ein Sitzbrett – und ein Radio. Nach dem Einchecken fuhren wir per Taxi zum Weingut Schuchmann, der 2008 rund 10 Mio. € in sein Weingut investiert hatte.
Am interessantesten war die Taxifahrt dorthin. Es gibt für Autos in Georgien keine Regeln, keine Ampeln, keine Geschwindigkeitsbegrenzungen. Mit alten Autos rasten die Taxis (natürlich auch alle anderen) durch die schlechten Straßen. Jeder versuchte der schnellste am Ziel zu sein – 120 in der Stadt – kein Problem – „we are professional drivers“.

Im Weingut wurden wir begrüßt von einer sehr gut Deutsch sprechenden Georgierin. Die Qualität des Weins war dann allerdings sehr durchwachsen – zehn Mio.€ Invest sind anscheinend nicht genug. Ein Erlebnis war die Hotelbar mit einer Bedienung, die nur italienisch sprach und auch Wert darauf legte, dass wir nur auf italienisch bestellen. Wir auf der Dachterrasse bei 40 Grad, die Bedienung in ihrem Raum, der auf Kühlschranktemperatur runtergekühlt war. Als das Cola ausging, ging einer von uns in die Stadt, um welches zu kaufen. Die “Italienerin” stellte es kalt – dasselbe Cola wurde uns dann wieder auf der Terrasse verkauft und in Rechnung gestellt – ein profitables Geschäftsmodell.

Tag 10 TBILISI

Das letzte Abendessen in Tbilisi nahmen wir im “Georgien-Style” zu uns. Musik in voller Lautstärke gepaart mit Darbietungen aller Art, die von dem Essen ablenkten und keinen Raum für private Unterhaltungen ließen.

Die Fahrt von Hotel zum Restaurant im Taxi war wieder atemberaubend. „I`m a professional driver,“ sagte unser Taxifahrer bedeutungsvoll und bretterte im Drift durch die Nacht.

Tag 11 DILIJAN

Morgens ging es dann sehr früh los zum Grenzübergang von Georgien nach Armenien. Maka wurde verabschiedet und freute sich auf Ihre nächste Touristengruppe, weniger individuell unterwegs.

Der Weg zur Grenze war gespickt mit Obstständen und der Grenzübertritt selbst war eher unspektakulär. Allerdings musste unsere armenische Landesguidin Arpina ganz schön auf uns warten. Sechs Stunden hat es dann gedauert – bis alle Zettel ausgefüllt waren und wir nochmals ein paar hundert Euro für die Ausreise und Einreise  bezahlen durften.

Nach dem Grenzübertritt fuhren wir über eine Straße durch Armenien, wo links (Osten) Azerbaijan angrenzt und rechts (Westen) noch ein kleines Stück Land zu Azerbaijan gehört. Erst vor kurzem waren armenische Soldaten hier ums Leben gekommen unter Beschuss aus Azerbaijan. Hier kracht es ständig, und wir mussten ganz bestimmte Abzweigungen nehmen, um allen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Es gelang!

Danach kurzer Lunch in einer netten Restaurantanlage und weiter ging’s in unser Hotel in der Nähe von Dilijan. Das Hotel Villa Rest war mitten in die armenische Natur platziert – eigentlich eher eine Ferienhaussiedlung, aber wirklich nett und gut. Nach einer kurzen Pause besichtigten wir noch einmal ein Kloster in der Nähe, welches vom 11. – 13. Jh. erbaut wurde – sorry, aber langsam ging der Bedarf an Klosterbesichtigungen dem Ende entgegen.  Armenien ein sehr armes Land, aber mit umso herzlicheren Menschen, die immer lachen können und überaus gastfreundlich sind.

Tag 12 YEGHEGNADZOR

Die Höhepunkte am Freitag war die Begegnung mit „World Vision“. Im Rahmen des Kinderbetreuungsprogramm gab es zum Auftakt ein Fußballspiel zwischen 12 – 14 jährigen Kindern und unserem „WM Team“.  Das Fußballduell verloren wir gnadenlos mit 9:3 gegen die junge Tikitaka-Mannschaft der Armenier, die Jungs zogen uns quasi das „letzte Hemd“ aus. Einen Pokal gab`s aber trotzdem und im Anschluss ein Essen in der Dorfgemeinschaft. Die vielen Begegnungen mit den Local`s, die Kreuzsteine, die Karawanserei und der Selim Pass krönten den Tag.

Sind sie auf die Rundreise von Istanbul nach Taschkent „eingestiegen“? Am kommenden Donnerstag gibt es den zweiten Teil des Reiseberichts!

 

Wolfgang Beisswenger

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