Kulinarik-Special Griechenland: Auf den Spuren des Ouzo nach Lesbos

Ouzo gehört zu Griechenland wie das Weissbier nach München. Aber woher kommt eigentlich das Nationalgetränk der Griechen? Wir haben uns auf die Spuren des Anis-Getränks gemacht!

Wer schätzt nicht den ersten Urlaubsabend am Meer? Endlich entspannen, an der Promenade ein nettes Lokal entdecken, Platz nehmen, und: das erste wohlverdiente Gläschen zum Ankommen. Hat man sich wieder mal für Hellas entschieden bietet sich dieser wunderbar erfrischende Apperetiv an, der wenn man, wie sich das gehört, zwei, drei Eiswürfelchen und einen Schuss kalten Wassers zufügt, auf magische Weise milchig wird.

Dem Vernehmen nach soll es Menschen geben, denen der Duft von Anis nicht sofort ein entspanntes Lächeln ins Gesicht zaubert, mir unverständlich, ein Karafaki mit Meze gehört für mich zwingend zum wahren Ankommen in Griechenland.

Lesbos gilt als Ursprung für den griechischen Lebenssaft

Meze sind natürlich die kleinen Häppchen, kein Grieche würde seinen Ouzo ohne Zubehör zu sich nehmen, der bevorzugten Marke wird beinahe religiös die Treue gehalten. Aber egal welchen man bevorzugt, bis auf ganz wenige Ausnahmen findet sich am Label des Karafakis, dem kleinen Fläschchen in dem der Likör auf den Tisch kommen sollte, stets die gleiche Insel als Herkunftsort: Lesbos!

Dort liegt nämlich der Ursprung des griechischen Lebenssaftes, einer heißt gleich gar wie jenes kleine Hafendorf, das als Geburtsort des Anislikörs gilt: Plomari. Grund genug, um die große Insel vor der kleinasiatischen Küste mal zu besuchen, ist ja leicht zu erreichen, regelmäßig entladen Charterflüge aus allen Teilen Europas ihre sonnenhungrige Fracht am Flughafen von Mytillini. Weiter geht´s mit dem Mietwagen, der wie verabredet schon bereit steht, Tür unversperrt, Zündschlüssel unter der Gummimatte, Griechen glauben gern ans Gute im Menschen.

Lesbos und die Geschichte des Ouzos

Nach gut einer Stunde kurvenreicher Fahrt durch abwechslungsreiche Landschafft stehe ich tatsächlich am Ende einer engen, dicht bewaldeten Schlucht am Hafen von Plomari, dort soll ich Ingenieur Iannis Stergelis treffen, der mir als sachkundige Auskunftsperson empfohlen wurde. Er schaut aus wie ein griechischer Albert Einstein, die knallorangene Latzhose konterkariert die Seriosität, die er als Bauamtsdirektor in Ruhe eigentlich ausstrahlt.

Er beginnt seine Führung bei der Fabrik von Isidoros Arvanitis, sein `Ouzo Plomariou´ ist Marktführer unter den Qualitätsouzos. Herrn Arvanitis gibt´s schon lange nicht mehr, „hat ein reicher Athener gekauft“ erklärt der Ingenieur abschätzig, wir begeben uns gleich zu Barbajiannis am Ortsrand. Dort sitzt die Familie noch fest im Sattel, man kann sich auch gleich mit Wegzehrung eindecken, Verkauft wird in der Einrichtung des ehemaligen Duty Free Shops vom alten Athener Flughafen in strengem 70er Retrostil.

Milchiger Appetitanreger mit Weltruhm

Der Grieche trinWährend wir danach durch die engen Gassen der Altstadt zur nächsten Brennerei schlendern, erzählt Kyrie Stergellis von den Seifenfabriken, die im neunzehnten Jahrhundert die Haupteinnahmequelle von Plomari waren, die mächtigen Ziegelbauten untermauern seine Behauptung, neunzig Prozent Exportquote, den Alkohol haben die Italiener quasi nur nebenbei mitgenommen. Und auf die Kisten mit der ersten Qualität „per uso a marsiglia“ gepinselt, damit die beste Ware auch sicher bei ihren Händlern in Marseille landen möge.

Seither nennt man dieses Getränk hier nun also dem Vernehmen nach Ouzo und trinkt es am liebsten selber, dort wussten sie die Ware zu schätzen. Diaspora und Tourismus haben dem milchigen Appetitanreger aber auch zu weltweiter Bekanntheit verholfen.

Ouzo brennen nach traditioneller Art

Wir treten in ein kleines Geschäftslokal in einer Seitengasse, auf nicht mehr als sechzig Quadratmetern türmen sich Kisten mit Flaschen, eine Dame beklebt sie händisch mit altmodischen Labels. Der Ingenieur erkundigt sich nach dem Chef, der sei gerade beim Brennen, erklärt Frau Pitsiladis, sie ist die Chefin und zuständig für alle anderen Belange der Geschäftstätigkeit. Sogar der einheimische Herr Stergellis muss nach dem Weg fragen, so versteckt liegt die Produktionsstätte. Am Ende einer noch schmaleren Gasse versperrt ein Stoß Brennholz den Weg bevor dieser ins trockene Flussbett fällt – Herr Pitsiladis mustert uns verschwitzt aus seiner kleinen Kammer.

Tatsächlich heizt er den Brenner mit Holz, keine Spur von Automation hat in seinem Reich Einzug gehalten. „Seit 1860“ steht auf seinen Flaschen geschrieben, und tatsächlich hat sich hier seit Anbeginn der organisierten Brennerei nichts verändert, wie der Ingenieur stolz betont. Die daraus reultierende Qualität will er mir in der nahen Ouzerie beweisen, natürlich bei reichlich `Mezedes´, jenen kleinen Häppchen aus Meer und Heide, ohne deren Begleitung sich kein Grieche je dem Alkohol widmen würde. So behällt man einen klaren Kopf, den braucht man auch, wenn man noch nach Petra am anderen Ende der Insel möchte.

Lesbos hat die besten Ausgangsprodukte

Dort nämlich, in der Nähe der beeindruckenden alten Hauptstadt Mythimna, brennen die Kouromichalis ihren Ouzo. Man übersieht die unscheinbare Manufaktur leicht, direkt gegenüber steht mit dem Haus der Vareltzidaina Familie ein beeindruckendes Beispiel der ottomanischen Blütezeit der Insel, byzantinische, barocke und neoklassizistische Architekturdetails lassen dieses Herrenhaus wie einen kleinen orientalischen Palast erscheinen. Gegen Ende der Hochblüte osmanischer Herrschaft kam 1884 Basile Kouromichalis aus Konstantinopel zurück auf die Insel, im Gepäck das Wissen und die nötige Gerätschaft zur Herstellung von Branntwein. Denn diese Kunst haben, so überraschend dies heute auch erscheinen mag, genau wie den Islam, die Türken von den Arabern gelernt.

Doch die besten Ausgangsprodukte findet man auf Lesbos, vom klaren Wasser über beste Weintrauben bis zum besonders milden, hocharomatischen Anis. Der gedeiht nur auf den Wiesen oberhalb von Parakila an der weiten Bucht von Kallonis, darin stimmt auch Ourania, Enkelin des Gründers und aktuelle Matriarchin, mit den Pitsilidis und Barbajiannis überein. Was den Namen anlangt, hat man hier allerdings eine andere Erklärung, der Opa hat Ouzo schliesslich noch aus Üzüm gebrannt, so heisst nämlich der Traubensud auf türkisch!

Informationen zur Insel Lesbos und zu Ouzo

The Olive Press

Olive Press nennt sich das zauberhafte Haus in Mythimna direkt am Wasser, dass die Oliven hier industriell gepresst wurden lässt der von weitem sichtbare Schornstein ahnen, auch war weniger Öl als Seife das Endprodukt. Die Anlage verfügt also über loftigen Charme, und weil die Fabrik aus logistischen Gründen direkt am Ufer steht, ist´s ins Meer auch nur ein Katzensprung!

olivepress-hotel.com, +302253071205

The Captain´s Table

Im Hafen von Mythimna -oder Molivos, wie´s neuerdings offiziell heisst- reiht sich eine Taverne an die nächste, wirklich schlecht ist keine. Aber Theo´s Captain´s Table gilt unumstritten als erstes Haus am Platz, er kriegt auch immer den besten Fisch. Kein Wunder, seinem Schwiegervater gehört der Fischkutter! Und Theo macht draus auch immer etwas besonderes, dringend empfohlen sei an dieser Stelle der Kapitänsteller für Zwei.

facebook.com/TheCaptainsTable.Molyvos, +3022530 71241

 

Sascha Nitsche

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